Welche Kamera soll ich mir kaufen?

Das ist eine Frage, die ich relativ oft höre. Ist auch eigentlich nicht verwunderlich, da ich ja der Typ in meinem Verwandten-, Bekannten- und Freundeskreis bin, der am meisten und am häufigsten Geld für Fotografie oder Technik-Stuff ausgibt. Aber auch für Leute, die das gar nicht wissen, bin ich halt der mit der Kamera :D Wenn sich also jemand fragt, was für eine Kamera denn die beste ist, kommt die Frage häufig bei mir raus.

Generell kann ich folgenden Tipp geben: kauf das teuerste Objektiv, das du dir leisten kannst/willst. Und was du dann noch übrig hast gibst du für eine Kamera aus.

Warum das? Zum einen behältst du ein Objektiv warscheinlich (heißt wenn es nicht kaputt geht oder so) wesentlich länger als eine Kamera. Kameras werden überholt, man kauft neue oder andere zusätzliche. Die Objektive werden immer das tun, was sie auch beim Kauf taten: Licht bündeln und auf den Sensor werfen.

Zum zweiten ist das Objektiv um Längen ausschalggebender was die Bildqualität angeht. Tolle Kamera mit miesem Objektiv wird dir ein Qualitativ nicht so gutes Foto liefern wie das gleiche mit einem guten Objektiv fotografiert – sogar an einer billigen Kamera.

Das ist wirklich der wichtigste Punkt, den ich jedem, der mich das fragt, raten kann. Die Kamera selbst ist nur ein kleiner Teil von dem was ein gutes Bild ausmacht. Objektive und andere Equipment sind weit wichtiger.

Weitere Tipps, die man sich durch den Kopf gehen lassen sollte:

  • Was willst du mit der Kamera machen?
  • Was benutzen deine Freunde?
  • Wie viel willst du ausgeben?

Punkt 1 und 3 sind sicherlich logisch. Aber was soll der andere? Lassts mich etwas genauer ausführen was ich mit den einzelnen Punkten meine.

 

Was willst du mit der Kamera machen?

Auch eine wichtige Frage, die du man sich stellen muss ist, was man mit der Kamera fotografieren will bzw. was sie dafür können muss. Wenn die Antwort "ab und zu Bilder im Urlaub" ist, dann tuts sicherlich eine Point n Shoot für 100€. Dann richtet sich der Rest des Blogs wohl auch nicht an dich (lies aber trotzdem gern weiter :P ).

Ein typisches Beispiel: möchte man sowas wie Sport oder wilde Tiere fotografieren (Vögel, Wild, ...) dann sollte (fast schon "muss") man eine schnelle Kamera haben. Schnell in diesem Fall im Sinne von viele Bilder pro Sekunde. "Sport-Kameras" wie die Canon 1Dx Mark 2 oder die Canon 7D Mark 2 haben tpyischerweise eine hohe FPS (Frames per Second)-Zahl. Etwa 16 fps (1Dx Mk2) oder 9 fps (7D) bedeutet, dass die Kamera 16 bzw. 9 Fotos in einer Sekunde machen kann und das in voller Auflösung. Das hilft dabei den richtigen Moment einzufangen, da die meisten Vögel nicht nochmal für einen posen, wenn man sein Foto nicht bekommen hat.

Das Problem hat man aber als Landschaftsfotograf oder Studio-Fotograf sogut wie gar nicht. Berge laufen nicht weg, außerdem belichtet man ein Foto oft sogar mehrere Minuten. Und im Studio kann man das Model einfach dirigieren oder sagen "mach das bitte nochmal". Da möchte man dann vielleicht einfach mehr Megapixel um größere Bilder – zum Beispiel für Werbeplakate oder große Drucke – haben. Oder besser Performance bei schwachem Licht, sprich wenig Rauschen trotz hoher ISO-Zahl.

Also sind nich nur die Geschmäcker, sondern auch die Anforderungen einfach verschieden. Zum Glück gibts aber im Internet unzählige Quellen, bei denen man Infos bekommt, was eine Kamera in seinem gewünschten Metier am besten können sollte.

Die meisten bekannten Fotografen schreiben Blogs oder führen YouTube Channels. Was benutzt dein Sportfotografen-Vorbild? Warum benutzt ers?

Was benutzen deine Freunde?

Okay, natürlich sollst du nicht die 1Dx für 6.300€ kaufen, nur weil sie dein Kumpel oder dein Idol hat und benutzt. Aber es macht Sinn, sich im Freundeskreis umzusehen, was andere benutzen. Nicht weil das dann das beste ist, aber weil man sich dann Equipment ausleihen kann!

Fotografen-Gear ist teuer! Ich glaub sogar, das alles automatisch teuerer gemacht wird, sobald Hersteller vermuten, dass Fotografen es nützlich finden könnten! Deswegen leih dir doch Objektive aus, bevor du sie kaufst. Oder Stative. Oder Blitze. Wenns dir zusagt, kaufs selbst.

Oder vielleicht brauchst du das 400mm Objektiv nur für deine zweiwöchige Reise nach Alaska – danach nie mehr, weil du eigentlich nur Makroaufnahmen von seltenen Münzprägungen machst.

Ausleihen (übrigens auch mieten, wenn der Freundeskreis nix hergibt) ist da die bessere Option. Lieber 150€ für 2 Wochen zahlen als 10.000 € und dann nur eine Woche benutzen.

Wie viel willst du ausgeben?

Wie ich das Geld verteilen würde habe ich ja schon am Anfang gesagt. Das beste Objektiv, das geht. Rest für die Kamera und ggf. weiteres Equipment. Ich gehe hier jetzt mal davon aus, dass es rein um die Kamera/Objektiv-Kombos geht und lasse andere Ausrüstungsteile wie Stative, Blitze oder sowas einfach außen vor.

Leider ist es bei Foto-Gear so, dass man bekommt, was man bezahlt. You get what you pay for - einzige Ausnahme übrigens das 50 mm 1.8 von Canon ;) Also kommts auch drauf an, wie ernst man das ganze machen will. Generell kann man gute Fotos auch mit günstiger Austung machen... aber ihr kennt das blabla ja. Teueres Zeug ist einfach cooleres Spielzeug. Zumindest oder eben nur dann, wenn man was dafür übrig hat. Aber ich denke diesen Punkt kann man so über fast jedes Thema schreiben.

Bonnie_Cash_Dark_Portrait

 

Na gut, ich hoffe das war ein bisschen hilfreich und konnte die Frage nach dem richtigen Kauf ein bisschen vereinfachen oder einen guten Denkanstoß liefern.