Coole Produktfotos – oder "Wie ich meine Whisky-Fotos erstelle"

Heute möchte ich mal wieder etwas von hinter den Kulissen preisgeben. Und zwar wie ich meine Fotos von den verschiedenen Whisky-Flaschen erstelle. Das mache ich, wie ihr vielleicht schon wisst, immer wenn ich eine neue Flasche bekomme oder kaufe, die ich noch nicht hatte bzw. fotografiert habe.

Das ganze fließt nicht nur in ein Dram (Whisky-Glas, für die, denen das nichts sagt ;) ) sondern auch in ein längerfristiges Projekt ein, das momentan noch keinen endgültigen Namen hat. Da ich ein großer Whisky-Fan bin, möchte ich andere, die das noch nicht sind, etwas für das Thema interessieren indem ich die Flaschen optisch ansprechend oder interessant darstellen oder einfach anderen Whisky-Fans coole Fotos liefern.

Grundsätzlich fallen diese Fotos bei mir etwas dunkler, mystischer, geheimnisvoller aus, da ich die Flaschen möglichst hochwertig und edel – sogar ein bisschen mächtig – wirken lassen will.

Wie ich das ganze erreiche, beschreibe ich in diesem Blogpost.

 

Ausleuchtung

Das größte Hindernis – Reflexionen.

An Anfang habe ich die Flaschen noch zusammen mit oder neben ihrer Verpackung/Schachtel fotografiert, aber dann bald festgestellt, dass es fast immer edler aussieht, die Flasche alleine zu zeigen. Das macht das ganze aber leider nicht viel einfacher, denn es ist generell schwierig, reflektierende oder spiegelnde Objekte zu fotografieren, ohne dass man sich selbst oder die Lichtquellen ODER irgendwelche anderen Dinge in den Reflexionen erkennt. 

Nicht alle Reflexionen sind schlimm und man muss sie vermeiden, aber man sollte aufpassen, dass nicht zu viele verschiedene oder ungleichmäßige vorhanden sind, damit kein fleckiger Look entsteht. Der ist auf jeden Fall fehl am Platz, wenn der Look edel sein soll. Die Lösung für zu definierte Spiegelungen sind auf jeden Fall Lichtquellen, die möglichst groß sind, aber noch klein bzw. gerichtet genug, um gut kontrollieren zu können, wohin das Licht fällt. 

Um sehr gerichtetes Licht zu bekommen fällt einem natürlich sofort (mir zumindest) ein Wabeneinsatz ein. Nachteil ist, dass der Wabeneinsatz auch in der Spiegelung auf dem Glas sichtbar ist, sollte jemand genauer hinsehen. Hat man allerdings (wie ich) nicht allzu viel Platz um mit Abständen der Lichtquellen und zum Hintergrund zu spielen, wird man um eine Wabe manchmal nicht herumkommen.

Ein relativ oft benutztes Lichtsetup seht ihr hier:

Ich möchte hauptsächlich die Kanten beleuchten um die Form der Flasche zu betonen und dazu das jeweilige Label gut sichtbar halten. Die Streiflichter, die die Kanten herausheben erreiche ich entweder durch 2 Striplights oder wie im Foto oben durch 1 Striplight (rechts) und einen Reflektor (links). Um den Rest nicht im Dunkeln verschwinden zu lassen, habe ich fast immer ein Aufhelllicht von oben-vorne auf die Flasche gerichtet, allerdings weit weniger hell als die Lichter von den Seiten. Als Lichtformer benutze ich dafür eine 90cm Octabox.

Um den glowy-shiny-Look zu bekommen, den meine Whiskyflaschen fast immer haben gibt es auch wieder zwei Möglichkeiten. Die erste ist, ein kleines, sehr hartes Licht hinter der Flasche zu platzieren, so dass es von unten nach oben in die Flasche strahlt. Mit der stärke und Positionierung muss man hier stark ausprobieren, wie es richtig aussieht, da man nicht möchte, dass die Lichtquelle zu sehen ist, alles ausgeleuchtet ist und gleichzeitig nichts überbelichtet ist. Viel gefummel, viel Aufwand. Aber wenn man die Möglichkeiten und die Hardware dazu hat auf jeden Fall die ritterlichste Methode.

Hey Frääänk, gibts nicht eine Methode, das in Photoshop machen?

Die zweite Möglichkeit, die ich seit einiger Zeit benutze ist, eine Belichtungsreihe zu erstellen und nachher in Lightroom zu einem HDR zusammenzufügen. Mit der Methode kann man in der Nachbearbeitung auch wesentlich mehr ausbessern und sich kreativ ausleben als es gleich in der Kamera "richtig" zu machen. Mit einer Belichtungsreihe von 3 oder mehr Fotos hat man in Lichtern und vor allem Schatten wesentlich mehr Informationen zur Verfügung um seinen persönlichen Geschmack von Photoshop-Hokuspokus auszuleben und zu verwirklichen. Ich benutze genau diesen Vorteil um aus einem sehr sehr dunklen Bild noch einen leuchten Flaschenbauch herauszuarbeiten und das Etikett gut lesbar zu machen/halten.

 

Bearbeitung

Was die Bearbeitung angeht sind diese Fotos relativ pflegeleicht. Den größten Teil der Bearbeitung führe ich in Lightroom durch – nur bestimmte Dinge muss ich in Photoshop machen. Zu allererst füge ich meine Fotos aus der Belichtungsreihe zu einem HDR zusammen, und versuche danach die Belichtung wieder an das dunkelste Foto anzupassen, da das dunkle Foto meistens das ist, das so aussieht wie ich das Foto haben möchte. Die anderen Fotos dienen quasi nur dem Herausarbeiten von Details.

 

Der Glow-Effekt

Was dank der HDR-Methode auch einfach machbar wird, ist der Glow von dem ich gerade schon gesprochen habe. In den meisten fällen ist nicht mehr als ein Radialfilter (CameraRaw/Lightroom) nötig, den man über den Flaschenbauch aufzieht und nach Belieben anpasst.

 Die Flasche zum leuchten bringen

Die Flasche zum leuchten bringen

Retusche und Ausbesserungen

Weniger komplizierte Makel entferne ich direkt in Lightroom. Flecken und Kratzer oder größere Sachen fasse ich nur in Photoshop an, da es dort einfach besser funktioniert und weniger fummelig ist. Was meiner Meinung nach nur in Photoshop wirklich gut funktioniert, ist das entfernen bzw. verschieben von Reflexionen. Am besten ist es natürlich, die Flasche und Lichter gleich richtig zu platzieren, da das immer sauberer aussehen wird, als das ganze in der Nachbearbeitung zu machen, aber auch wenn man die Flasche sicherlich gerade hinstellen kann und sollte, bestimmte Spiegelungen lassen sich nicht verhindern. Stempel, Reparaturpinsel und die Frequenztrennungs-Methode sind hier meine besten Freunde ;)

Gerade ausrichten

Das ist vielleicht das wichtigste, das man machen kann, damit ein Bild nicht unterbewusst als "irgendwie komisch" aufgefasst wird. Zu dem ganzen Thema plane ich sogar einen eigenen Blogpost, aber hier nur mal so viel: gerade bei solchen Fotos, auf dem ein Produkt abgebildet wird – gerade ein Produkt, dass aus geometischen Formen besteht und meistens symmetrisch designed wurde, sollte man recht genau drauf achten, dass man das Bild gerade ausrichtet.

Diese Aufgabe habe ich bis vor kurzem noch ausschließlich in Photoshop erledigt … das allerdings auf 100% meiner Whiskybilder. Der Grund dafür sind ganz einfach die Hilfslinien, die ich in Photoshop erstellen kann und in Lightroom nicht. Ich Suche mir Kanten, die aus logischer Sicht gerade ein müssen, und ziehe eine Hilftlinie dort hin. Mit den Transformationswerkzeugen kann ich dann anhand der Hilfslienie diese Kanten so verzerren, dass sie auch wirklich gerade sind.

Mit dem letzten Update wurde diese Aufgabe durch eine neue Lightroom Funktion dem guten alten Photoshop komplett aus der Hand gerissen. Seit dem es im Entwicklungsmodul unter Transformieren das neue "Upright mit Hilfslinien" gibt! Upright an sich gibt es als Funktion schon länge, aber man konnte nie groß eingreifen, was gerade an welcher Orientierung ausgerichtet wird. Mit der neuen Funktion kann man, wie der Name schon vermuten lässt, Linien an Kanten und Linien ziehen, welche gerade sein sollten und Lightroom richtet diese dann abhängig von einander (man benötigt mind. zwei) aus. Das ganze funktioniert in meiner Erfahrung bisher großartig!

Pro-Tipp: Da man mit Whisky ja eine Flüssigkeit fotografiert ist im Flaschenhals immer eine Art Wasserwaage eingebaut, schon mal ein guter Anhaltspunkt, wie gerade die Flasche steht und diese Linie des Flüssigkeitsstands sollte immer möglichst genau horizontal im Foto sein. Weiterhin orientiere ich mich oft an den Seitenkanten der Flasche.

Bearbeitungsfortschritte

But there's one more thing

Die Fotos auf dem Vergleichsbild hier sind die zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Blog schreibe die aktuellsten und genau für die habe ich ein neues Setup an Licht ausprobiert. Als kleinen Bonus, falls ihr das selbst ausprobieren möchtet, teile ich den noch mit euch.

Um noch definierteres Licht zu bekommen als mit einem Reflektor oder dem weit streuendem Licht von einer frontalen Softbox, habe ich diesmal von hinten links und rechts jeweils ein Striplight gestellt und die restliche Ausleuchtung einem Beautydish, das von oben herabstrahlt, überlassen. Das Beautydish ist nicht genau über der Flasche sondern etwas davor, so dass es nur das Etikett und die Vorderseite der Flasche streift. Das Ergebnis kann sich finde ich sehen lassen!

So ich hoffe, das war interessant!

Danke fürs Lesen und bei Fragen und Anmerkungen - tobt euch in den Kommentaren aus!